57. DRV-Wanderrudertreffen im Neusser Ruderverein

von Annika Thiemer
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15.-17.09. Vater Rhein hat gerufen und ca. 200 Wanderruderer sind gekommen, unter ihnen 10 Vereinsmitglieder aus dem schönen Brandenburg an der gemächlich dahinfließenden Havel.

Aber warum eigentlich Vater Rhein?

Die Römer sind wohl schuld, denn von ihnen wurde der Fluss nach Rhenus, dem Flussgott benannt. Der wurde auch als „Rhenus Pater“ also „Vater Rhein“ bezeichnet.

Nach einer nicht ganz staufreien Anreise sind wir gegen 15.30 Uhr im Hotel angekommen und haben es dann gerade noch so zur Stadtführung durch Neuss geschafft. In ca. 2 Stunden haben wir bei unserem Spaziergang durch die Altstadt einen Einblick in die wechselvolle 2000-jährige Geschichte dieser Stadt erhalten. Da Neuss im Zweiten Weltkrieg mehrfach starken Luftangriffen ausgesetzt war, sind auch große Teile der Altstadt stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Heute ist Neuss eine moderne Stadt mit einem vielfältigen Angebot an Kultur, Freizeit und Wirtschaft. Bei unserem abwechslungsreichen Stadtrundgang sind wir nicht nur mit der Geschichte einiger erhalten gebliebener Gebäude vertraut gemacht worden, sondern unser Stadtführer hat unsere Aufmerksamkeit immer wieder durch Redewendungen, die er in seine Erklärungen eingebaut hat, herausgefordert. Nachdem wir diese aus seinem Redefluss herausgehört hatten, gab es immer eine sachkundige Begründung zur Herkunft der Redensart.

So richtig ausgehungert ging es nach der Stadtbesichtigung zum Neusser Ruderverein und eigentlich sollte dort eine offizielle Begrüßung erfolgen. Die gab es aber aus uns nicht ganz nachvollziehbaren Gründen nicht und so konnten wir uns dann gleich dem Schnitzelbüfett widmen. Ein herrlicher Blick auf den stark befahrenen Rhein von der Terrasse des Rudervereins steigerte schon mal die Vorfreude auf den kommenden Tag.

Der startete gegen 6:30 Uhr mit unserem Frühstück im Bootshaus vom Neusser Kanu-Club. Danach ging es zügig zur Bushaltestelle des ÖPNV und weiter zum Hauptbahnhof. Mit der Regionalbahn gelangten wir nach Köln Hbf und von dort ging es mit der Straßenbahn bis nach Köln-Rodenkirchen weiter. Hier nahm uns Vater Rhein wieder in seine Arme, es gab eine kurze organisatorische Ansage am Rheinufer und die Runde der Wanderruderwilligen teilte sich in 3 Gruppen, da hier von 3 Rudervereinen abgelegt werden konnte.

Mit ca. 40 Booten ging es dann auf den nicht ganz so gemächlich dahinfließenden Rhein. Da alle Boote einzeln zu Wasser gelassen wurden, sind wir nicht als Pulk unterwegs gewesen, sondern sollten uns erst wieder in der Mittagspause alle wiedersehen. Die Strömungsgeschwindigkeit im Rhein lag bei ca. 5 km/h, es gab herrlichen Sonnenschein und die Stimmung war vortrefflich. An Bord aller Ruderboote waren erfahrene Rheinsteuerleute. Dies stellte sich auch sehr schnell als notwendig heraus, denn nicht nur die Rheinströmung sondern auch der rege Berufsschiffverkehr sind für uns Ruderer von eher stehenden bis gemächlich dahinfließenden Gewässern doch eine ganz andere Hausnummer. Und so gab es dann auch die eine oder andere dicke Welle, die gemeistert werden musste. Die Sicherheit auf dem Wasser wurde durch die Wasserschutzpolizei und die DLRG gewährleistet, die alles im Blick hatten. Schwimmwesten wurden vereinzelt auch getragen - mit Vater Rhein ist im Extremfall eines Kenterns nämlich nicht zu spaßen.

Nachdem die ersten 2 Rheinbrücken unterquert wurden, kamen auch schon die drei modernen Kranhäuser und der Kölner Dom in Sicht. Der Rheinboulevard mit großzügiger Freitreppe sowie der Musical Dome waren für uns auch gut wahrnehmbar, nur um ein paar Landmarken zu nennen. Vorbei an Köln-Mülheim wurde die Landschaft dann u. a. durch die Ford Werke, den Nieder Hafen und die Bayernwerke industriell geprägt. Die Autobahnbrücke bei Leverkusen war dann vorerst die letzte Brücke welche unterquert wurde. Das Übersetzen bis fast vor die Tore von Neuss wird durch Fährbetrieb geregelt. Nach ca. 30 km erreichten wir dann die Dormagener Rudergesellschaft, legten am steinigen Rheinufer nass an und hatten uns unsere Mittagspause redlich verdient. Gestärkt durch Gulasch- bzw. Erbsensuppe oder am Kuchenbuffet ging es danach auf den 2. Streckenabschnitt.

Es ging vorbei an der Zollfeste Zons, zwei Naturschutzgebieten und am Schloss Benrath. Da der Rhein auf diesem Abschnitt Bögelchen schlägt (so sagt der Rheinländer), wurde das Fahrwasser nun häufiger gewechselt. Dabei hatten die Steuerleute vor allem die stromabwärts zügig fahrenden Frachtschiffe immer aufmerksam im Blick. Die ersten Vororte und Stadtteile von Düsseldorf und Neuss ließen nun nicht mehr lange auf sich warten und nachdem wir die letzte Rheinbrücke vor Neuss unterquert hatten, war es nicht mehr weit bis zum Neusser Bootshaus. Hier endete dann nach ca. 52 km ein ereignisreicher Rudertag. Nachdem die Boote „versorgt“ waren, gab es ein erstes erfrischendes Getränk auf der Terrasse am Ruderverein und danach ging es ab unter die Dusche im Hotel.

Frisch geduscht kamen wir gegen 19.00 Uhr wieder im Bootshaus an und konnten uns am Grillbüfett stärken. Ab 22.00 Uhr wurde dann noch zur Party mit DJ und Tanz aufgerufen, dem Ruf folgte auch ein Teil aus unserer Gruppe und so ging es ab in den Jugendraum vom Verein. Die Nacht wurde nicht zum Tag gemacht und so lagen wir gegen Mitternacht in unseren Betten.

Am Sonntag gab es dann wieder ein ganz entspanntes Frühstück im Bootshaus vom Kanu-Club. Danach ging es nochmals zum Vereinsgelände der Ruderer, um uns nach einem obligatorischen Gruppenfoto vor dem Vereinshaus zu verabschieden. Da die Plätze für den Festakt limitiert waren und aus unserm Verein keine Ehrungen anstanden, konnten wir noch vor 10:00 Uhr die Heimreise antreten.

Ein ereignisreiches Wanderrudertreffen ging somit schnell zu Ende und in unseren Taschen fehlten natürlich nicht die Flyer für das kommende DRV-Wanderrudertreffen in Regensburg an der schönen Donau. Unser Verein wird sicher auch im kommenden Jahr wieder mit einer großen Gruppe vertreten sein.

Fred Buchwald