Ruder-EM auf der Olympiastrecke in München

von Annika Thiemer
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10.-14.08.  Mitte August fand im Zuge der „European Championships Munich 2022“ zeitgleich mit vielen anderen Sportarten auch die Europameisterschaft im Rudern auf der Olympiastrecke von 1972 in München/Oberschleißheim statt. Dass dieses Event meine erste EM im A-Senioren Bereich wurde, war unglaublich, da es durch die Größe der Veranstaltung eine starke mediale Präsenz gab und die Zuschauerränge spätestens an den Finaltagen vollgefüllt waren. Auch die Atmosphäre und Ausstattung war merklich professioneller als bei anderen Wettkämpfen, die ich bisher bestritten hatte.


Nachdem die Ergebnisse der vorherigen Weltcups noch nicht wie erwünscht waren, sollte noch einmal eine neue Kombination der Besatzung getestet werden. Der Doppelvierer wurde nun priorisiert. Ich startete mit Frauke Hundeling und Pia Greiten, die zuvor den Doppelzweier gestellt hatten, sowie Marie Zeidler, die nach einer Verletzung bei der Hügelregatta in Essen nun wieder ins Boot kam.


Die Problematik, die sich bereits durch die ganze Saison gezogen hatte, wiederholte sich auch hier. Durch die vielen Besetzungen, die getestet werden sollten, hatten wir nicht sehr viel Zeit das Boot vorzubereiten. Zusätzlich erwischte mich 2 Wochen vorm Start der EM eine starke Grippe, weshalb ich einige Tage nicht trainieren konnte. Zum Glück stellte sich heraus, dass es nicht Covid-19 war und ich konnte 10 Tage vorm Start, nach ärztlichem Check-Up, wieder ins Training einsteigen. Natürlich war ich nicht direkt so fit wir zuvor, was uns in den Möglichkeiten der Trainingsbelastung beschränkte.

Bei starkem Gegenwind, der übers Wochenende leicht abschwächte, starteten wir am Donnerstag im Vorlauf gegen die Ukraine, Frankreich und die Niederlande. Wir belegten den dritten Platz hinter der Ukraine und Niederlande. Damit mussten wir durch den Hoffnungslauf am Freitag. Hier mussten wir für einen Platz im Finale den vierten Platz gegen die Schweiz, Niederlande, Italien, Frankreich und Rumänien belegen. In einem etwas solideren Rennen belegten wir erneut den dritten Platz hinter der Schweiz und der Niederlande und zogen gemeinsam mit diesen Booten sowie Italien auf dem vierten Platz ins Finale am Samstag ein.

Trotz kräftigster Unterstützung von der Tribüne, konnten wir unsere Leistung vom Hoffnungslauf nicht wiederholen, geschweige denn steigern. Es gelang uns nicht einen einheitlichen Rhythmus zu finden, wodurch das Rennen zu schnell zu kräftezehrend wurde. Wir belegten den sechsten Platz im A-Finale und mussten somit auch Italien, die wir im Hoffnungslauf bereits geschlagen hatten, wieder vorbeilassen.

Ich verließ die Europameisterschaft mit gemischten Gefühlen. Ich weiß, dass ein sechster Platz auf einer A-Europameisterschaft kein schlechtes Ergebnis ist für mich, die als eine der jüngsten hier startete. Dennoch war ich Teil des priorisierten Frauen-Doppelvierers und die Erwartungshaltung an uns selbst sowie von außen war entsprechend hoch. Die Saison war außerdem für alle Beteiligten eine schwierige mit vielen Unterbrechungen, Ausfällen und Unruhe. In einem emotional aufgeladenen Gespräch nach den Rennen versuchten wir hier auch Kritik an einigen Entscheidungen der Trainer*innen zu üben, die in dieser Saison gefallen waren. Es wurde klargestellt, dass diese Saison als „Testsaison“ das sehr junge Team in möglichst verschiedenen Kombinationen zusammensetzen sollte, mit (der Qualifikation für) Paris als langfristigem Ziel.

Unserer Bitte, die Qualifikation für die WM bereits am Montag nach der EM bekannt zu geben, wurde Folge geleistet. Die EM endete für mich dann doch noch etwas versöhnlicher, den Samstagabend genossen wir im Olympiapark, wo es viele Festivalstände rund um die EM gab. Da am Sonntag noch weitere Finals stattfanden, konnten wir unsere Teamkolleg*innen von der Tribüne aus anfeuern.

Zur Weltmeisterschaft, die vom 18. bis zum 25. September in Racice stattfindet, sollte ich mit Sophie Leupold, Judith Guhse und Sophia Krause den Doppelvierer besetzen. Doch leider steckten sich im darauffolgenden Trainingslager in Zakopane in Polen einige Sportlerinnen mit Corona an, darunter auch Judith. Zum Glück konnte Tabea Kuhnert aus dem Frauenachter, in dem sie bei der EM gestartet war und der aufgrund vieler Coronafälle nicht zur WM fahren wird, zurück zum Skullbereich in den Vierer wechseln. Mit ihr bereiteten wir uns nach Zakopane in Berlin und Corgeno in Italien auf die WM vor.

Sarah Wibberenz