On Tour mit der Barke „Hans Hermann Meyer“

von Annika Thiemer
Zugriffe: 284

Am 08.07. war es wieder einmal soweit. Die Ruderrecken des „Traditionsachters“ des R.C.H.B. trafen sich im Ruder-Club Tegelort zu einer Barkenfahrt auf den ehemaligen Berliner Grenzgewässern. Die Barke „Hans Hermann Meyer“ stand schon auf dem Trailer bereit und strahlte uns nach Entfernung der Plane in pinkfarbigen Tönen an. Ein angemessener Farbton für unsere reine Männercrew.

Wie immer stand vor der Ausfahrt die logistische Herausforderung, die Barke vom Trailer ins Wasser zu bringen. Die schmale anspruchsvolle Slipanlage des Jörgisfelder Segelvereins tat dazu noch das Übrige. Die Barke wurde dann bis zum Bootssteg des Ruder-Clubs Tegelort gerudert und dort erst einmal bis zum nächsten Tag am Steg festgemacht.

Nachdem wir in unserem ca. 10 km entfernten Appartement-Hotel in Wittenau eincheckten und einen kleinen Imbiss eingenommen hatten, stand Kultur auf der Tagesordnung. Klaus Schönhoff organisierte für uns eine Gruppenführung im neu errichteten Humboldt-Forum, am Standort des ehemaligen Berliner Schlosses und des Palastes der Republik. Mit der U-Bahn erreichten wir schnell die Berliner Innenstadt und in der erst vor kurzem eröffneten U-Bahnstation „Museumsinsel“, konnten wir im Gewölbe der Station den funkelnden „Schinkelschen Sternenhimmel“ bewundern. Die sehr interessante und lehrreiche Führung endete auf der Dachterrasse des Forums mit einem imposanten Blick auf die Berliner Innenstadt. Gestärkt im chinesischen Restaurant „How How“ ließen wir den ersten Tag ausklingen.

09.07. Nach einem improvisierten Frühstück auf den viel zu engen Hotelzimmern (Campingfrühstück) stand die erste Tagesfahrt bevor. Mit acht Ruderern, einem Steuermann und zwei Beisitzern und natürlich mit dem notwendigen Proviant war unser erstes Ziel die Zitadelle Spandau. In diesem Jahr war auch wieder unser ältestes Vereinsmitglied, Horst Lietzberg, mit im Boot und auch wenn er die meiste Zeit das Steuer übernahm, um den jüngeren „Alten“ das Rudern zu überlassen, so ließ er es sich aber nicht nehmen auch wenigstens ein paar wenige Kilometer persönlich in die Riemen zu greifen und das nur 2 Wochen vor seinem mittlerweile 94. Geburtstag – eine großartige und bewundernswerte Leistung.

Auf der Fahrt durch Spandau konnten wir die zumeist erst in den letzten Jahren errichteten Neubauten wahrnehmen, ehe bei der Umfahrt um die Insel „Eiswerder“ sich das Wetter verschlechterte und wir mit Regen und Wind zu kämpfen hatten. Auf dem Tegeler See passierten wir eine Vielzahl von größeren und kleineren Inseln. In Höhe der Einfahrt zum Borsighafen besserte sich das Wetter. An der Alt Tegeler Uferpromenade und der historischen „Sechserbrücke“ am Tegeler Hafen, erreichten wir schon bald den Steg des RC Tegel. Bei unserem wohlverdienten Mittagsmahl auf der Terrasse des Ruderclubs schien dann schon wieder die Sonne. Auf der Rückfahrt nach Tegelort passierten wir noch das mit Staatsflagge versehene Gästehaus des Außenministeriums, ehe nach weiteren Kilometern die Havelfähre und der Ruder-Club Tegelort nach ca. 21 km erreicht waren.

Sonntag, 10.07. - neuer Tag neues Glück- dachten wir, aber leider mussten wir mit einer dezimierten Besatzung die Fahrt in Angriff nehmen. Aus unterschiedlichen Gründen waren wir nur noch sieben Ruderer und ein Steuermann. Die Barke musste somit in ungleicher Besatzung auf Back- und Steuerbord gerudert werden. Hinzu kam noch, dass wir die erste Passage gegen den Wind rudern mussten. Auf den ehemaligen Grenzgewässern der Havel und des Niederneuendorfer Sees konnten wir den einzig verbliebenen Postenturm erkennen. Vor 1989 befand sich in Mitte der Gewässer die durch Bojen markierte Grenze der DDR zu Berlin. Für die Berliner Ruderer war bis dahin nur die Berliner Seite mit dem Boot befahrbar. Heute ist das Gewässer wieder für alle Wassersportler frei. Ein paar Reste erinnern jedoch auch heute noch an die ehemalige Grenzbefestigung. So wurden in Höhe des Havelkanals zum Ortsteil Heiligensee seitens der DDR Güterkähne versenkt, um Durchbrüche nach West-Berlin zu verhindern. Ein Teil der Schiffsaufbauten ragt heute noch aus dem Wasser. Hier war nicht nur für alle Wassersportler „die Welt zu Ende“. Auf der jetzt kanalisierten Havel ging unsere Tour weiter an den Industrieanlagen des Hennigsdorfer Alstom Werkes (ehemals Bombardier) und des RIVA Stahlwerkes vorbei. Nachdem wir das Gelände des Ruderclubs „Oberhavel“ und den Veltener Stichkanal passierten, war der Zielort schon nahe. Die Gaststätte „Weißer Schwan“ in Hohenschöpping, einem Ortsteil von Velten, war erreicht. Man empfing uns schon am Gaststätteneingang und bot uns Plätze im Biergarten oder in der Gaststätte an. Durchgeschwitzt wählten wir den nostalgisch mit einem weißen Schwan aus Porzellan ausgestatteten Raum im Inneren. In gemächlichem Tempo traten wir dann die Rückfahrt nach Tegelort an, wo wir am späten Nachmittag den Jörgisfelder Segelverein erreichten. Auf der schmalen Slipanlage war es wiederum kompliziert die Barke auf den Trailer zu bringen. Damit war unsere interessante und ereignisreiche Barkenfahrt beendet und die Planungen für die nächstjährige Tour 2023 können beginnen.

Werner Sidow