Auf nach Krummhörn - Vereinsbusfahrt des RCHB 2021

von Annika Thiemer
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Wo liegt denn Krummhörn? Natürlich im Nordwesten Deutschlands, in Ostfriesland, fast schon in Holland. Der Name bedeutet „Krummes Kap“ und beschreibt umgangssprachlich die gesamte bogenförmige nordwestliche Küstenlinie. Bis wir das Ziel unserer diesjährigen Tour erreichten, lagen noch über 6 Stunden Busfahrt vor uns. Mit den notwendigen Pausen waren wir in den frühen Nachmittagsstunden in unserem ersten Besuchsort Greetsiel angekommen.

Dieses idyllisch an der Ley-Bucht, unmittelbar am Nationalpark Wattenmeer gelegene alte Fischerdorf, wird wegen der gepflegten und ausgeputzten kleinen Häuschen, auch die „Puppenstube“ Ostfrieslands genannt. Greetsiel soll der schönste Küstenort Ostfrieslands sein, sagen die Einheimischen. Dementspechend war der Ort an diesem Wochenende sehr gut besucht. Besonders am heimischen Hafen war das „Gewimmel“ groß. Wenn man schon im Norden an der See ist, gehört eine Fischmahlzeit natürlich dazu. Der frische Fisch bzw. die Krabben waren lecker, aber die dazugehörigen Kuchenbrötchen waren unpassend. Egal, der Hunger trieb es herein. Die Ortsbesichtigung in Greetsiel erfolgte in kleinen Gruppen. Unsere Achtergruppe hatte nach der Fischmahlzeit Durst. Etwas abgelegen im Biergarten „Hohes Haus“, gleich neben der Kirche und Leichenhalle fanden wir ein ruhiges Plätzchen, um das Greetsieler Bier (leicht friesisch herb aber süffig!) bzw. andere ausgewogene alkoholische Getränke zu verköstigen. Nach der Besichtigung der sehenswerten Innenstadt mit den gepflegten Backsteinhäuschen, Mühlen und anderen örtlichen Sehenswürdigkeiten erreichten wir wieder unseren Bus.

Ursprünglich war eine Besichtigung und Verkostung in der Jever Brauerei vorgesehen. Auf Grund der Corona Maßnahmen war dieser Besuch leider nicht möglich, aber die alternative Tour nach Greetsiel war auch sehr schön.

Von Greetsiel ging unsere Fahrt dann weiter zu unserem Übernachtungsort Leer, der an der Ems und an der Leda liegt. Leer wird auch das „Tor Ostfrieslands“ genannt. Klaus Schönhoff hatte wieder einmal ein glückliches Händchen und buchte für uns das ausgezeichnete Hotel „Hafenspeicher“, direkt am Handelshafen. Nach den einchecken hatten wir noch die Möglichkeit bis zum Abendessen die überschaubare Innenstadt mit ihren Sehenswürdigkeiten zu erkunden. Im Restaurant Pier 23, dass unmittelbar an unserem Hotel lag, wartete auf uns dann auch schon das Abendbuffet. Schmackhaft und reichlich bereitgestellt, füllten wir dann unsere Mägen und spülten mit individuell bestellten Getränken nach. So ließen wir den Tag mit vielen interessanten Gesprächen an den Tischen ausklingen.

Der zweite Tag begann mit einem guten Frühstück im Hotel. Gestärkt und frohen Mutes ging die Fahrt in Richtung Norden zum gleichnamigen Ort Norden. Da auf Grund der einschränkenden Maßnahmen größere Führungen nicht möglich waren, erfolgte eine Aufteilung. Eine Gruppe besuchte das wenigen Kilometer von Norden entfernte Waloseum, die andere Gruppe die Seehundaufzuchtstation in Norddeich. Auf dem großen Areal mit Erlebnisbad wartete unsere Gruppe auf den Einlass in die Seehundstation. Es war ein imponierendes Erlebnis, zumal wir eine günstige Zeit erwischten, als die Fütterung der Seehunde erfolgte. Interessant und lehrreich waren auch die vielen Infostände, Schautafeln und die Erläuterungen über das Leben im Watt, und die Aufzucht, Pflege und Auswilderung der in Obhut genommenen jungen Seehunde, die auch Heuler genannt werden.

Das Wasser der Nordsee sahen wir nicht, aber es war ohnehin Ebbe und somit außer Schlick nicht viel zu sehen. Vom Norden ging es dann zurück in den Süden nach Emden der mit knapp 50 000 Einwohnern größten Stadt Ostfrieslands. Sie liegt an der Emsmündung und am Nordufer des Dollart. An der Stadtverwaltung Emden erwartete uns schon ein kompetente Stadtführerin der Emdener Gilde. Sie erklärte uns interessant und friesisch herb während der Busfahrt, Emden. Emden hat auch eine traurige Geschichte. Die Stadt war nach dem II. Weltkrieg auf Grand der militärischen Lage über 90 % zerstört. Viele alte historische Häuser sind deshalb nicht mehr erhalten. Geblieben sind die vielen ehemaligen Bunker in der Stadt. Da ein Abriss dieser Monster zu kostspielig wäre, blieben sie bestehen und werden heute größtenteils anderweitig genutzt. Emden war aber auch eine der bedeutendsten Städte der Reformation. Hier begann bereits 1530 die Täuferbewegung in Nordwestdeutschland und Holland. Emden ist auch die Stadt der bekannten Komiker Otto Walkes und Karl Dall, die insbesondere mit ihren Ostfriesenwitzen die Komiker Szene in Deutschland bereichert haben.

Interessant war auch die Durchfahrt durch das relativ neu geschaffene Grachtenviertel die in traditioneller Backsteinbauweise errichtet wurden und wie in Holland von Grachten und Kanälen durchzogen wird. Ein besonderer Höhepunkt der Emdener Stadtführung war die Fahrt durch den riesigen Autoport am Emdener Verladehafen. Unsere Stadtführerin meldete uns beim Einlassdienst des Port, der für touristische Besuche eigentlich gesperrt ist an und teilte uns freudig mit das der Mann am Einlass sehr nett war – er schlief. Da am Sonntag Ruhe war und keine Verladungen stattfanden konnten wir mit dem Bus bis unmittelbar an den Verladekai vorfahren. In der unmittelbar neben den PKW-Aufstellflächen befindlichen VW-Werk arbeiten bis zu 9500 Mitarbeiter und in Spitzenzeiten werden täglich bis zu 1500 PKW hergestellt. Auf Grund der Corona-Maßnahmen ist die Produktion derzeitig etwa geringer. Emden ist der drittgrößte Autoverladebahnhof Europas. Zirka 50% der Fahrzeuge werden auf dem Seeweg und jeweils 25 % mit der Bahn und auf LKW transportiert. Die riesigen Frachtschiffe von denen wir ein Schiff direkt am Verladekai sahen, können bis zu 6000 PKW gleichzeitig verschiffen. Nun aber genug vom Autoport und den beeindruckenden Zahlen. Nicht nur mir wird dieser Besuch in guter Erinnerung bleiben. Nachdem Verlassen des Ports drehten wir im westlichsten Seehafen Deutschlands noch eine Extrarunde zum Terminal der Schifffahrt zur Insel Borkum. In den Sommerferien ist hier natürlich immer eine immense Touristenbewegung, denn viele suchen ihr Heil und ihre Erholung auf den Ostfriesischen Inseln. Vorbei an der Seeschleuse dem Durchlass von Binnenschiffen zur Seeschifffahrt gelangen wir wieder ins Emdener Stadtzentrum. Ein würdiger Abschluss in Emden war der abschließende Besuch der Gaststätte „Leckerpott“, wo wir unter Anleitung eine echte friesische Teezeremonie vornahmen. Bis zur Rückfahrt konnten wir dann noch am Rats-Delft, dem Hafenbecken, oder in der Innenstadt „die Beine vertreten“ , um dann pünktlich um 16 Uhr die Heimreise anzutreten.

Wie immer eine sehr gelungene, informative Vereinsbusfahrt. Nochmals herzlichen Dank an Klaus Schönhoff für die wie immer ausgezeichnete Organisation der Fahrt. Wir freuen uns schon auf das nächste Jahr, wo sich die Mehrheit der Mitreisenden für den Harz aussprach.

Werner Sidow