Saisonauftakt in Leipzig und Krefeld

von Annika Thiemer
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Der Saisonauftakt für uns, Sarah und Fini, sollte wie jedes Jahr in Leipzig stattfinden. Hier wurde am Samstag, den 02.04. zuerst der Wettkampftest über 2.000 Meter auf dem Ruderergometer absolviert, bevor es am Sonntag, den 03.04. dann auf dem Elster-Saale Kanal im Einer auf die 6.000 Meter Strecke ging. 

Auf dem Ergometer konnte ich (Sarah) leider nicht meine beste Leistung abrufen und beendete den Test knappe drei Sekunden über meinem Bestwert aus der letzten Saison im Mittelfeld der schweren Frauen. Gern wäre ich einen neuen Bestwert gefahren, da ich den Trainingswerten zufolge sehr viel fitter bin als im letzten Jahr. Ich bin aber dennoch zufrieden mit diesem Wert, da zum einen die stickige Turnhalle als Wettkampfort keine optimalen Bedingungen bot und zum anderen mein Fokus in diesem Winter weit mehr auf dem Rudern lag und ich verhältnismäßig wenig Training auf dem Ergometer absolvierte.

Die 6.000 Meter auf dem Wasser am nächsten Tag liefen jedoch sehr gut. Die Langstreckendistanz gehört eher zu meinen Stärken. Außerdem wollte ich den Test vom Vortag wettmachen und eine gute Leistung zeigen, was mir mit dem 4. Platz hinter Alexandra Föster, Frauke Hundeling und Pia Greiten auch gelang. Die Langstrecke zählt zwar in der Gesamtwertung der Nominierungskriterien für die Nationalmannschaft deutlich weniger als der Ergometertest, jedoch werden die Vorläufe der Deutschen Kleinbootmeisterschaft nach den Ergebnissen der Langstrecke gesetzt. Deshalb konnte ich mich auf einen guten Startplatz 3 Wochen später in Krefeld freuen.

Ich (Fini) konnte in Leipzig leider nicht an den Start gehen. Aufgrund einer Sehnenscheidenentzündung im rechten Unterarm war ans Rudern und Ergo fahren leider überhaupt nicht zu denken. Stattdessen fuhr ich umfangreiche Trainingsprogramme auf dem Fahrradergometer und hielt mich durchs Laufen und Rennradfahren fit. Es war mental sehr belastend, an das Fahrradergometer gebunden zu sein, während ich sah und wusste, dass alle anderen sich auf dem Hohenzollernkanal auf die anstehenden Regatten vorbereiteten. Erst 9 Tage vor den Deutschen Kleinbootmeisterschaften saß ich das erste Mal wieder schmerzfrei im Ruderboot. Trotz unglaublichem Muskelkater im Oberkörper, schmerzhaften Blasen und der Ungewissheit, wieviel ich meinem Unterarm zutrauen kann, genoss ich das Training auf dem Wasser nach der knapp 5-wöchigen Ruderpause sehr.

Kurz vor den Meisterschaften nutzten wir die Regattastrecke auf unserem heimischen Beetzsee, um mit allen Trainingsgruppen des Berliner Bundesstützpunktes gemeinsam/gegeneinander Strecken zu fahren.

In Krefeld fanden dann vom 22.04. bis 24.04. die Deutschen Kleinbootmeisterschaften statt. Mit Vorläufen, Viertel- und Halbfinals sowie den Finalläufen und einem großen Teilnehmerfeld hatten wir ein umfangreiches Programm – sowohl körperlich als auch mental – zu absolvieren.

Bei mir (Fini) lief es leider nicht so gut wie erhofft, aber vielleicht hatte ich mir auch zu viel erträumt nach meiner Sehnenscheidenentzündung: Mit jeweils Platz 2 im Vorlauf und Viertelfinale qualifizierte ich mich souverän für das Halbfinale im Leichtgewichts-Frauen-Einer. Bei heftigem Gegenwind kam ich in diesem trotz großem Kampf leider nicht über einen vierten Platz hinaus, womit ich mich „nur“ für das B-Finale qualifizieren konnte. Im B-Finale ruderte ich dann auf den 2. Platz und wurde somit insgesamt 8. Deutsche Meisterin wurde meine ehemalige Zweierpartnerin Marie-Louise Dräger. Ich bin mit meinem 8. Platz nicht richtig zufrieden. Auch wenn subjektiv mein Einer trotz der kurzen Vorbereitungszeit ganz gut lief und ich zurzeit körperlich sehr fit bin, fehlten mir wahrscheinlich doch die Ruderkilometer und die spezifische Wettkampfvorbereitung. Jedoch kann ich in dieser Situation mit dem Ergebnis gut leben und erkenne die starke Leistung meiner Kontrahentinnen an. Umso mehr freute ich mich über das sehr erfolgreiche Abschneiden von Sarah:

Für mich, Sarah, startete das Wochenende mit einem recht gnädigen Vorlauf, den ich mir in Leipzig erarbeitetet hatte. Ich konnte mich bereits am Start deutlich vom Feld absetzen und für die Viertelfinals qualifizieren, ohne zu viel Kräfte zu lassen. Auch das Viertelfinale am Samstagvormittag verlief optimal und ich sicherte mir mit dem ersten Platz den Einzug in eins der beiden vorderen Halbfinals. Damit stand bereits fest, dass ich zu den besten 12 Starterinnen gehörte und es fiel ein Großteil der Anspannung ab. Dennoch wollte ich mich nun natürlich im Halbfinale am Nachmittag für das begehrte A-Finale qualifizieren. Hier traf ich auf stärkere Konkurrenz. Das Halbfinale ging sehr abgeklärt über die Bühne. Die ersten beiden Plätze gingen an Alexandra Föster und Aurelia-Maxima Janzen, die beide als Favoritinnen für das Finale galten und ich konnte mit einem souveränen dritten Platz das letzte Ticket für das A-Finale lösen. Im A-Finale am Sonntag hieß es noch einmal alles rauszuholen. Auch wenn die Teilnahme am A-Finale für mich generell schon ein sehr zufriedenstellendes Ergebnis gewesen wäre, wollte ich natürlich so weit wie möglich nach vorn und beweisen, dass ich auch definitiv in dieses Finale gehöre. Auf den ersten 500 Metern konnte ich das Tempo der anderen Boote nicht mitfahren. Der Wind war weiterhin, wie an den vorherigen Tagen auch, recht unberechenbar und sorgte für schwierige Bedingungen. Doch auf den zweiten 500 Metern konnte ich zum hinteren Teil des Feldes wieder aufschließen und mich auf den fünften Platz legen, den ich bis ins Ziel halten und ausbauen konnte. Die ersten drei Boote, mit Alexandra Föster, Aurelia-Maxima Janzen und Pia Greiten, die sich um die Nominierung für den Einer der Nationalmannschaft duellierten, waren zwar wesentlich schneller, doch zu Frauke Hundeling auf Platz 4 war der Abstand nicht zu groß. Die Zeiten waren auch deutlich schneller als die des zweiten Finals. Ich hatte also durchaus bewiesen, in dieses Finale zu gehören.

Mit dem Ergebnis des fünften Platzes insgesamt und dem dritten Platz in der U23 bin ich sehr zufrieden und kann nun einer vielversprechenden Saison entgegenblicken. Nächste Woche startet die Mannschaftsbildung der A-Mannschaft in Berlin, bei der durch Seat-Races entschieden wird, wer in welchem Boot auf den Worldcups und im September gegebenenfalls bei der A-WM starten darf. Da ich erst in meinem dritten U23 Jahr bin, gibt es die Sicherheit auf der U23-WM starten zu können, falls es doch noch nicht für die Frauen A-Mannschaft reichen sollte. Ich bin gespannt auf die nächsten Wochen und hoffe, bald von World Cups berichten zu können.

Für mich (Fini) waren die Deutschen Meisterschaften dagegen die erste und letzte Ruderregatta dieser Saison. Anfang April habe ich mein 2. Staatsexamen (Medizin) geschrieben und ich beginne Mitte Mai mit dem Praktischen Jahr (PJ), dem letzten Teil des Medizinstudiums. Die ersten vier Monate des PJs absolviere ich in der Schweiz. Durch die vollen Arbeitswochen werde ich mich nicht auf den Ruder-Hochleistungssport konzentrieren können. Jedoch freue ich mich auch sehr, diese Saison als eine Auszeit von den Ruderwettkämpfen zu nutzen, mich auf den Abschluss meines Medizinstudiums zu konzentrieren und im Sommer die Schweiz mit dem Rennrad und wandernd zu erkunden.

Fini Sturm und Sarah Wibberenz